Fraunhofer: Vernetzung durch Kooperation und Wettbewerb

Vernetzung im Wissenschaftssystem

Die Vernetzung im Wissenschaftssystem hat innerhalb der beiden Perioden des Pakts für Forschung und Innovation eine neue Qualität erhalten. Neben der bereits etablierten Kooperationsform über die gemeinsame Anbindung der Institutsleitungen hat Fraunhofer über die verstärkte Kooperation mit der Max-Planck-Gesellschaft, den Innovationsclustern, aber auch über die neu etablierte Zusammenarbeit der Leistungszentren ein Netzwerk geschaffen, das eine nachhaltige Forschung im Verbund sicherstellt. Diese eigenständig entwickelten Konzepte wurden durch die starke Beteiligung von Fraunhofer – beispielsweise bei der Spitzenclusterinitiative – unterstützt. Darüber hinaus hat die Exzellenzinitiative des Bundes die Kooperation mit außeruniversitären Partnern gestärkt. Die TU Dresden konnte sich über das DRESDENConcept – auch aufbauend auf Fraunhofer-Vernetzungsstrukturen – in der dritten Runde der Exzellenzinitiative mit dem Zukunftskonzept erfolgreich behaupten.

Fraunhofer bringt sich in das Netzwerk sowohl personen- wie auch themenbezogen ein. Neben der engen Anbindung der Institutsleitungen an die Universitäten über einen forschungsaktiven Lehrstuhl werden regionale Schwerpunkte durch die Gründung von Fraunhofer-Innovationsclustern, Innovationszentren und Leistungszentren gestärkt.

 

Erkenntnisorientierte Forschung mit Innovationsorientierung verbinden das inzwischen zehn Jahre bestehende Kooperationsprogramm zwischen der Max-Planck-Gesellschaft und Fraunhofer.

 

Das Fraunhofer-Modell erfordert von den Instituten darüber hinaus eine enge Verzahnung mit Akteuren sowohl im Wissenschaftsbereich als auch mit der Wirtschaft. Institutionalisierte Austauschkanäle bestehen über die Kuratorien der Fraunhofer-Institute, die – mit hochrangigen Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Wirtschaft besetzt – einen kontinuierlichen Abgleich an die Marktentwicklung ermöglichen.

 

Personenbezogene Kooperation

 

Die Universitäten sind für Fraunhofer die zentralen Ansprechpartner im Wissenschaftsbereich. Die Symbiose zwischen Lehrstuhl und Fraunhofer-Institut wird als eine Einheit gesehen, die unterschiedliche Aspekte der gleichen Fragestellung adressiert. Kern der Zusammenarbeit sind die gemeinsamen Berufungen der Fraunhofer-Institutsleitungen. Seitens der Universität erweisen sich eine hohe Zahl über Drittmittel eingestellter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die erhöhte Sichtbarkeit des Standorts sowie der Zugang zu Ausstattung und Infrastruktur der Fraunhofer-Institute als nutzenstiftend.

Neben der Anbindung der Institutsleitung an die Universität bietet auch die Etablierung zusätzlicher Kooperationen auf Ebene der Abteilungsleitung zusätzliche Vorteile und wird weiter ausgebaut. So ist seit Einführung des »Pakts für Forschung und Innovation« die Anzahl der Professuren mit einer Vernetzung in beide Bereiche von 95 (2006) auf 213 (2015) gestiegen. Auch die Zahl der Institutsleitungen ist von 57 im Jahr 2006 auf inzwischen 77 angewachsen. Fraunhofer vernetzt sich zunehmend enger mit den Universitäten auch über Doppelfunktionen außerhalb der Ebene der Institutsleitungen. Fraunhofer-Forscherinnen und -Forscher sind intensiv in den Lehrauftrag der Hochschulen einbezogen. Mit einem Lehrbeitrag im Äquivalent von etwa 350 Stellen tragen sie Erkenntnisse und Erfahrungen aus der angewandten Forschung in die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Sie bieten wertvolle Einblicke in die Forschungspraxis und eröffnen den Studierenden frühzeitig Anknüpfungspunkte zur industriellen Forschung und Entwicklung. In die Lehrtätigkeit sind über die oben genannten Professorinnen und Professoren hinaus weitere Personen (z. B. Honorarprofessorinnen und -professoren, Privatdozentinnen und -dozenten) aus den Fraunhofer-Instituten eingebunden. Zusätzlich sind Mitarbeitende von Fraunhofer an den Fachhochschulen in die Lehre eingebunden und/oder Professorinnen und Professoren der Fachhochschulen übernehmen Aufgaben bei Fraunhofer – beispielsweise im Rahmen der Fraunhofer-Anwendungszentren oder innerhalb des Kooperationsprogramms Fachhochschulen.

 

Forschungsthemenbezogene Kooperation

Mit der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) verbindet Fraunhofer die klare Ausrichtung auf spezifische Erfolgsfaktoren. Während die MPG den Fokus auf Exzellenz in der Grundlagenforschung richtet, ist für Fraunhofer die Innovation am Markt maßgebend. Seit Beginn des Pakts bestehen zwischen der MPG und Fraunhofer Möglichkeiten für gemeinsam finanzierte und bearbeitete Projekte. Eine Gutachterkommission, die mit Mitgliedern beider Organisationen besetzt ist, empfiehlt die Projekte dem Präsidenten bzw. Vorstand beider Forschungsgesellschaften für eine drei- bis vierjährige Förderung.

 

So arbeiten das Max-Planck-Institut für Mikrostrukturphysik sowie das Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS an leistungsstarken Hartmagneten ohne die Verwendung von Seltenen Erden, bei denen aktuell ein hohes Versorgungsrisiko besteht. Heusler-Verbindungen sind eine Materialklasse, die vergleichbare magnetische Eigenschaften wie Hartmagnete aus Seltenen Erden bei gleichzeitig geringen Materialkosten aufweisen. Diese alternativen Materialien sind eine Chance, dass viele Branchen in der deutschen Industrie ihre führende Position bei der Forschung und Entwicklung von Hightech-Produkten festigen können.

 

Insgesamt wurden 35 Projekte bewilligt. Allein im Jahr 2015 wurden 11 Projekte bearbeitet, aktuell sind es 14.

 

Nähere Informationen sind unter http://www.fraunhofer.de/de/institute/kooperationen/10-jahre-kooperation-fraunhofer-max-planck.html abrufbar.

 

Nationale Leistungszentren

Zunehmend zielen wissenschaftspolitische Bemühungen auf eine Verstärkung der Kooperation zwischen universitärer und außeruniversitärer Forschung. Fraunhofer sieht hierbei im gelungenen Zusammenspiel der unterschiedlichen Akteure die Entfaltung großer Potenziale. Was das Verhältnis von Universitäten und Fraunhofer-Instituten angeht, ist es gelungen, in der letzten Dekade eine enge Kooperation aufzubauen. Darauf aufbauend und um die intensive Zusammenarbeit mit den Universitäten sowie eine wirkungsvolle regionale Vernetzung mit der Industrie weitergehend mitzutragen, hat Fraunhofer ein nachhaltiges Modell entwickelt: die regional verankerten, nationalen Leistungszentren von europäischem Rang. Über integrierte Standortkonzepte unter Beteiligung von Universitäten und außeruniversitären Einrichtungen werden neue Qualitäten der Zusammenarbeit entwickelt, zusätzliche Innovationsleistungen möglich und für den gemeinsamen Standort ein nationaler Mehrwert generierbar. Fraunhofer hat gemeinsam mit ausgewählten Universitäten seit Anfang 2015 in Freiburg, Erlangen und Dresden pilothaft Vorhaben gestartet. Nach den positiven Erfahrungen mit dem Modell konnten bis Anfang 2016 weitere 12 Standorte bewilligt werden. Die Finanzierung erfolgt partnerschaftlich durch die Länder, die industriellen Partner und Fraunhofer.

 

Das Konzept der Leistungszentren sei am Beispiel des ersten Pilotvorhabens in Freiburg aufgezeigt. Das »Leistungszentrum Nachhaltigkeit« ist eine Kooperation zwischen der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, den fünf Freiburger Instituten der Fraunhofer-Gesellschaft und der Industrie. Mit den Schlüsselthemen Sustainable Materials, Energy Systems, Resilience Engineering sowie Ecological and Societal Transformation besetzt das Leistungszentrum Themenfelder, die für die Bewältigung der Herausforderungen einer nachhaltigen Entwicklung von zentraler Bedeutung sind. Die Schwerpunkte sind so gewählt, dass sie von der Entwicklung von Werkstoffen und Mikrostrukturen über Bauteile, Energiesysteme, Infrastrukturnetze bis hin zur Ökologie und gesamtgesellschaftlichen Transformation eine bisher einzigartige Forschungstiefe und -breite erreichen.

 

Weitere Informationen zu Leistungszentren unter http://www.fraunhofer.de/de/institute/kooperationen/leistungszentren.html

 

Weitere Informationen zum beispielhaften Leistungszentrum Nachhaltigkeit unter

http://www.leistungszentrum-nachhaltigkeit.de/

 

Beteiligung an Bundesprogrammen zu regionalen Kooperationen

Die Spitzenclusterinitiative der Bundesregierung greift mit der Bekanntmachung seit 2007 Elemente der Fraunhofer-Innovationscluster auf und verstärkt sie. Inzwischen wurden in drei Runden insgesamt 15 Spitzencluster mit einem Volumen von jeweils etwa 50 Mio € gefördert. Entsprechend der engen Bindung an die Wertschöpfungskette unter Einschluss insbesondere der kleinen und mittleren Unternehmen sind Fraunhofer-Institute an einer Vielzahl an Vorhaben aktiv beteiligt – häufig auch in der Koordination. Bereits in der ersten Runde hat Fraunhofer die Federführung im Spitzencluster Solar Mitteldeutschland übernommen. In der zweiten Runde 2010 hat Fraunhofer die Federführung im EffizienzCluster LogistikRuhr übernommen und war an drei weiteren Clustern beteiligt. Auch im letzten Wettbewerb 2012 hat das Fraunhofer-Zentrum für Chemisch-Biotechnologische Prozesse CBP des Fraunhofer IGB und des Fraunhofer ICT in dem mitteldeutschen Cluster »BioEconomy« mit Sitz in Halle die Federführung übernommen. Fraunhofer ist an allen ausgewählten Vorhaben aktiv beteiligt.

 

Die besondere Fähigkeit zum Management übergreifender Forschungsprojekte in Verbindung mit der strategischen Verbindung der Institutsleitungen über forschungsstarke Lehrstühle schafft eine hervorragende Ausgangsposition für die BMBF-Ausschreibung »Forschungscampus – öffentlich-private Partnerschaft für Innovationen« 2011. So sind in Stuttgart und Aachen gemeinsam berufene Fraunhofer-Institutsleiter federführend an den zwei BMBF-Forschungscampus »ARENA2036« und »Digital Photonic Production (DPP)« beteiligt. Die Förderinitiative des BMBF unterstützt gezielt große und vielschichtige Forschungsvorhaben mit dem Potenzial für Sprunginnovationen, indem die Kompetenzen aus Wirtschaft und Wissenschaft themenspezifisch unter einem Dach zusammengeführt werden. Auch an den Standorten Braunschweig, Jena und Mannheim bringt sich Fraunhofer aktiv ein. Fraunhofer ist damit an fünf der neun geförderten Campus-Konsortien beteiligt.

Um die strategische Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft insbesondere in den östlichen Bundesländern voranzutreiben, fördert die Bundesregierung seit 2013 den Wettbewerb Zwanzig20 – Partnerschaft für Innovation. Fraunhofer gestaltet maßgeblich die Inhalte. Eine Koordinierungsfunktion übernimmt Fraunhofer in wichtigen Vorhaben im Themenfeld von Industrie 4.0: Im Projekt »3D Sensation« steht die schnelle und effiziente optische Datenerfassung inkl. Bildauswertung und die Mensch-Maschine-Interaktion im Vordergrund. Das Vorhaben »Agent 3D« ermöglicht neue Geschäftsmodelle auf der Basis der additiven Fertigung. Im Vorhaben »Smart3« werden sogenannte smarte Materialien, d. h. Werkstoffe, welche sich in ihren Eigenschaften verändern, für neue Märkte entwickelt.

 

Die wissenschaftlich-technischen Grundlagen zur Umsetzung der Energiewende sind u. a. durch die starke Position von Fraunhofer in den regenerativen Energien ermöglicht worden. Neben vielen weiteren Instituten arbeiten insbesondere das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE sowie das neu gegründete Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik IWES an regenerativen Energiesystemen. Das Fraunhofer-Institut für Integrierte Systeme und Bauelementetechnologie IISB ist führend in Design und Realisierung von leistungselektronischen Komponenten und Systemen. Aus dieser Position heraus war es folgerichtig, dass im Jahr 2015 Fraunhofer im Wettbewerb für »Schaufenster zur intelligenten Energieversorgung« der Zukunft des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) an allen fünf zur Förderung empfohlenen Vorhaben beteiligt ist.

 

 

 

Pakt für Forschung und Innovation::kompakt:: - die Informationsbroschüre können Sie hier als PDF-Datei herunterladen.

 

Pakt für Forschung und Innovation – Fortschreibung 2016-2020 (PFI III)

Bitte auf Link: PFI III 2016-2020

 

 

 

 

 

GWK-Heft 52:
Pakt für Forschung und Innovation: Monitoring-Bericht 2017 GWK-Heft 52

Letzte Änderung: 26.06.2017 - 08:30 Uhr